Alltag eines Mediendesign-Erstsemesters, Teil 1

Heute möchte ich Euch den ersten Teil meiner bereits erwähnten Mediendesign-Erstsemester-Serie präsentieren. Ihr bekommt einen kleinen Gesamtüberblick der Studienfächer und bekommt einen Einblick in die beiden Studienfächer Wahrnehm- ungstheorie und Gestaltung: 2-dimensionales Gestalten.

Die Angaben über die Richtziele und Fachinhalte der Vorlesungen, für den Studiengang Mediendesign, sind in dem dafür aufgestellten Modulhandbuch festgeschrieben.

Die Erstsemester betreffen dabei folgende Studienfächer:

– fachbezogene Fächer

  • AV-Technik
  • Darstellung: Bild/Komposition Grundlagen
  • Design- und Mediengeschichte
  • Digitale Bildbearbeitung
  • Entwurf: Typografie/Bild/Layout
  • Farbe
  • Gestaltung: 2-dimensionales Gestalten
  • Layouttechnik
  • Multimedia Informatik
  • Wahrnehmungstheorie

– nicht-fachbezogene Fächer

  • Englisch für Textil und Design
  • Grundlagen Wissenschaftlichen Arbeitens

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In meinem Fall gab es für manche der Fächer kombinierte Vorlesungen und Prüfungs- aufgaben. (Wobei in den ersten Semestern ja sowieso viele der Inhalte fließend ineinander gehen.) Deshalb werde ich auch über diese kombinierten Fächer eher gemeinsam schreiben.

– Wahrnehmungstheorie

Die Vorlesungen dieses Fachs hatten wir als einzigstes gemeinsam mit den Textildesignern, da darin wichtige Gestaltungsgrundlagen vermittelt werden, welche für alle Designer von Nutzen sind.

Lehrinhalte: Wahrnehmung und Kommunikation, Wahrnehmung und Zeichen. Sehapparat, Wahrnehmungsprozess, Strukturierungsvorgang, Superzeichen. Wahrnehmungstheorien: Erwartungstheorie, Strukturtheorie, Gestalttheorie. Funktion der Strukturierungsregel in der Gestalt. Geometrisch-optische Täuschungen. Gestaltungselemente als Inhalt der Wahrnehmung.*

Lernziel: Kenntnis der Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung und Kommunikation, Wahrnehmung und Zeichen.
Kenntnis biologischer Wahrnehmungsorgane und deren Funktionen. Vertrautheit mit entscheidenden Aussagen der Gestaltpsychologie über Strukturierungsregeln während des Wahrnehmungsvorganges. Fähigkeit, den untrennbaren Zusammenhang von Wahrnehmung und Strukturierungsregel zu erkennen und zu verstehen.*

Prüfung: Die Prüfung bestand aus einer 90-minütigen Klausur mit Fragen zum Vorlesungsinhalt.

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– Gestaltung: 2-dimensionales Gestalten

Auch dieses Fach ist eines über die Grundlagen der Gestaltung.

Lehrinhalte: Freie Bearbeitung thematisch gebundener Aufgaben und Projekte in unterschiedlichen klassischen und digitalen Darstellungstechniken. Punkt, Linie, Fläche. Formkontrast und Formausdruck. Zuordnung und Anordnung. Hell-Dunkel, Farbe, Bewegung.*

Lernziel: Kenntnis des untrennbaren Zusammenhangs von Wahrnehmung und Gestaltung. Morphologie der Form. Befähigung zu syntaktisch logischem und kreativem Umgang mit den Gestaltungselementen. Vertrautheit mit den gestalterischen Gesetzmäßigkeiten im Bereich Form, Ordnung, Farbe, Bewegung sowie den darauf beruhenden Kontrastbeziehungen. Verständnis für eine objektive, allgemeingültige und somit zeitlose Qualität des bildnerischen Gestaltens.*

Prüfung: Die Prüfungsaufgabe bestand darin, zum Thema „Brennpunkt- und Songlinecode“ (oder auch einfacher „Punkt und Linie“) etwas mediales zu ent- wickeln. Dazu musste ein Portfolio mit Anwendungsbeispielen angefertigt werden. Im zweiten Semester folgt dann dazu noch eine Präsentation.

Einige meiner Kommilitonen stellten wirklich faszinierende Stop-Motion-Filme her. Aber es gab auch Plakat- und Fotoserien (meist in Verbindung miteinander), aber auch einige andere Umsetzungen.

–> Meine Arbeit:
Meine Idee war es, die Bokehpunkte, unscharfe (aufgrund der Objektivform) kreis- förmigen Bereiche im Bild, welche bei der Aufnahme eines Fotos mit einer Kamera, entstehen, in Linien umzuwandeln, indem ich sie in eine neue Form (z.B. vom Kreis
zum Herz oder Stern) transformiere.

Hier zur besseren Vorstellung vier meiner ersten Testfotos:

Bokeh-Testfoto Mendebrunnen und Gewandhaus Leipzig Augustusplatz Bokeh-Testfoto Mädlerpassage Leipzig Bokeh-Testfoto Mendebrunnen und Gewandhaus Leipzig Augustusplatz Bokeh-Testfoto Mendebrunnen und Gewandhaus Leipzig Augustusplatz

Dies wollte ich mithilfe von Schablonen erreichen, welche bei der Aufnahme vor das Objektiv einer Spiegelreflexkamera gesteckt werden.

Zuerst entwarf ich 16 Symbole, welche auf die Schablone kommen sollten. Nach einigem Testen fand ich heraus, in welchem Verhältnis das Symbol zur Schablone / dem Objektiv- durchmesser stehen muss, damit es gut als Bokehpunkt abgebildet wird.

Dies sind die endgültigen 16 Symbole:

16 Symbole

Meine ersten Schablonen-Dummys waren noch aus schwarzgefärbter Pappe, aus denen ich die Symbole filigran ausschneiden musste. Während der Testphase erwies es sich als praktischer, sie einfach direkt auf feste Folie zu drucken. – Dies machte die Herstellung um einiges leichter, und das Ergebnis war sauberer.

Dies sind die Schablonen:

Bokehschablonen aus Pappe

Bokehschablonen aus Pappe

Bokehschablonen aus Folie

Bokehschablonen aus Folie

Nun war es soweit, dass ich mit meinen fertigen Schablonen die Projekt-Fotos machen konnte. Ich hatte während der Testphase an einigen Orten ausprobiert, wie man das Bokeh am besten sichtbar machen kann. Mein Plan war es im Vordergrund ein passendes Objekt zur Bokehpunktform, und im Hintergrund einen „Bokehpunktschauer“ abzubilden. Die Schwierigkeit bestand darin, das man den richtigen Abstand zwischen Vordergrund- objekt und Bokehentstehungort (Lampe, Lichtbrechung oder -spiegelung) finden muss, damit der Vordergrund scharf ist und die Bokehpunktformen eindeutig zu erkennen sind. Die zweite Schwierigkeit war, dass man den richtigen Winkel zum Bokehentstehungsort finden muss, damit die Bokehpunktformen möglichst unverzerrt aussehen.

Die Fotos selbst entstanden in der Leipziger Innenstadt (mithilfe von Dunkelheit und verschiedener [Straßen-]Lampen), in einem kleinen Studio (mithilfe von schwarzem Molton und einer bunten Lichterkette), und während einer Familienfeier (mithilfe von Familienmitgliedern und einer bunten Lichterkette). Immer dabei mit im Einsatz waren meine EOS 500D mit der Canon-Festbrennweite EF 50 mm; F1,8 und mein Speedlight 430EX II.

Kamera mit Schablone

Kamera mit Schablone

Und dies sind 14 meiner 16 fertigen (bearbeiteten) Aufnahmen. Da auf den anderen beiden Fotos Familienangehörige von mir zu sehen sind, lasse ich diese hier aussen vor.

Bokehfoto Fahrrad Bokehfoto SkaterBokehfoto Wasser Bokehfoto HerbstBokehfoto Religion Bokehfoto TanzBokehfoto Fotografie Bokehfoto BuchBokehfoto Geburtstag Bokehfoto SchokoBokehfoto Kreativität Bokehfoto WeiblichkeitBokehfoto Fürsorge Bokehfoto Giraffe

Bei der Umsetzung des Portfolios entschied ich mich für die Erstellung eines Fotobuchs. Das Fotobuch wählte ich in der Größe compact (ca. 20,4 x 15 cm), mit Hochglanzveredel- ung der Seiten und mattem Hardcover. Das Fotobuch bestellte ich bei myphotobook.de, welche leider ungeplant lange Produktionszeiten hatten. – Dafür war die Qualität (Druck, Farbwiedergabe und Bindung) dann aber überzeugend.

Portfolio im Profil Portfolio von vornPortfolio von hinten Portfolio Titelei Portfolio EinleitungPortfolio Beispielseite

Mein Fazit dazu: Fotobücher sind für den Druck überwiegend bildreicher Portfolios sehr gut geeignet. – Man sollte sich aber rechtzeitig (ca. 2-3 Wochen vor Abgabe) einen Überblick über die Produktions- und Versandzeiten der unterschiedlichen Dienstleister verschaffen, das spart vor allem Nerven, aber auch Geld und Zeit! Auch ein Blick auf die Möglichkeiten der verschiedenen Anbieter-Software lohnt sich. – Einige sind selbst für einen geübten Nutzer sehr umständlich und kosten unnötig Zeit. Bei manchen Anbietern hat man auch die Möglichkeit direkt mit InDesign-Vorlagen sein Buch zu setzen, oder mit PDF-Dateien zu bestellen.

–> Diese Übersicht der wichtigsten Fotobuchanbieter kann bei der Planung sicher sehr hilfreich sein. Sie enthält zahlreiche Infos zu jedem Anbieter und macht so einen einfachen Vergleich dieser möglich.

–> Übersicht über Fotobuchanbieter und ihre Vorrausetzungen, bei denen man PDFs einreichen kann.

Zum Portfolio gehört auch eine Anwendungsmöglichkeit. – Da meine Fotoserie aus Bildern besteht, welche Dinge aufzeigen, die das Leben lebenswert machen (können), gab ich meinem Projekt den Titel „Lebenszeichen“. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Fotos in der Praxis auf Werbematerialien für Blut- / Organ- und sonstige andere Spenden abgebildet werden könnten. Deshalb machte in Anlehnung an die modernen typischen Spendeplakate ich einen Entwurf für ein Blutspendeplakat des Deutschen Roten Kreuz.

Hier zwei meiner drei Entwurfs-Umsetzungen:

Plakat Herbst Plakat Lebensjahr

(*Lehrinhalte und Lernziele lt. Modulhandbuch)

Im nächsten Teil der Serie „Alltag eines Mediendesign-Erstsemesters“, Teil 2 werde ich die Studienfächer Farbe und Darstellung: Bild/Komposition Grundlagen vorstellen.

Bild1 | Bild2 | Bild3 | Bild4 | Bild5

5 Gedanken zu “Alltag eines Mediendesign-Erstsemesters, Teil 1

  1. Pingback: Pantao hat Semesterferien | Pantao-Photo Blog

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  4. Hallo, ebenfalls habe ich die Canon Eos 500D mit 18-55mm und 75-300mm Objektiven und habe mir auch solche Schablonen gemacht aber ich bekomme es einfach nicht hin, was mache ich falsch? Selbst wenn ich die ‚lichter‘ unscharf ‚gemacht‘ habe kommen nicht die erwünschten Ergebnisse- obwohl die ausgeschnitten Motive (herz,..) nicht größer als 1cm sind fotografiert die kamera ganz normal durch das Loch durch. Was kann ich machen?
    Bitte antworte mir per Mail
    Maurice:)

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